Leseprobe aus dem Roman „Zwischen Totenkopf und Venushügel“

Wie ich im Sommer Anno 1851 in der Kieler Hafenkneipe „Zur Zarin“ eingeführt wurde…

Von der Decke hing ein Lüster mit achtundzwanzig Kerzen. Der gesamte Raum war mit cremfarbiger Seidentapete dekoriert und ein gleichfarbiger Teppich bedeckte den Boden. Das tollste Möbelstück nahm fast die gesamte Breite der linken Wand ein. Es handelte sich um ein riesiges Himmelbett über dem ein goldener Baldachin thronte. Zwischen Himmelbett und Baldachin durfte ein Maler seinen Phantasien zum Thema, Liebesleben im Rokokobett austoben. Ich fand das Bild sehr anregend und erlaubte mir diese Meinung meiner Pflegerin mitzuteilen. Das brachte mir sofort einen heftigen Klaps auf meinen Oberarm ein. Ich begann dem Hünen Boris dankbar für mein blaues Auge zu sein. Denn ohne seine Handschrift hätte ich armer Tropf wohl nie Einlass in dieses Paradies gefunden. Tamara hatte sich der Flasche bemächtigt und vier Wassergläser mit dem glasklaren Likör aus meiner zukünftigen Heimat gefüllt. Was meine drei Mitzecher als selbstverständlich erschien, erfüllte mich mit Sorge. Denn ich konnte nicht einschätzen wie viel ich von den hochprozentigen Getränken ohne Schaden konsumieren durfte.

Wieder einmal half mir Natascha aus meinen Nöten. Sie zog an einem Band, welches direkt neben der Tür aus der Decke zu kommen schien. Gleich darauf öffnete sich die Tür und zwei weitere hübsche Bedienungen räumten die bauchige Flasche zur Seite, stellten dafür einen metallenen Behälter auf das Tischchen aus dem der Hals einer Champagnerflasche ragte, dazu vier langstielige blauviolett gefärbte Kristallgläser und was für mich wichtig war, einen großen Teller mit gebratenen Fleischstücken, Speck, Gurken und anderes Gemüse, was ich noch nie gesehen hatte und weißes Brot in jeder Menge. Natascha schob mir auch gleich eine kleine gebratene Keule in den Mund und ich begann dankbar zu kauen. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie hungrig ich war. Wie ich aber mitbekam, schlugen die drei Anderen auch kräftig zu. Es wurde still. Aber nicht nur bei uns. Auch aus der Kneipe drang kein Lärm mehr herauf. Dagegen ertönten die traurigen Klänge einer Balalaika und eine tiefe Männerstimme sang in einer für mich fremden Sprache ein trauriges, tragendes Lied. Dazu schmeckte der Champagner noch mal so gut.

Schon längst hatte Tamara wieder ihren Platz auf Kettners Schoß eingenommen. Ich saß immer noch brav neben Natascha und hielt ihre Hand fest umschlungen. Sie war so anders, als die Mädchen, die ich während meiner Kadettenzeit und auch später hier in Holstein kennen gelernt hatte. Sie erschien mir so jung und war es auch mit Sicherheit, sodass ich Hemmungen hatte, sie als Frau zu sehen, was sie wiederum ebenfalls mit Sicherheit war. Mir war sogar klar, dass zu mindestens ein Teil ihres Verdienstes direkt aus den Taschen von Männern stammte. Nun, von mir würde sie keinen Taler bekommen. Ich hatte schlichtweg Keinen. Dabei würde ich zu gern wissen, wie diese vollen sinnlichen Lippen schmeckten und wie ich mir das so ausmalte, klopfte auch schon jemand an meine Hose, der weit aus größere Forderungen hatte als ich. Daran war bestimmt auch die traurige Musik aus dem Lokal und dieses herrliche Himmelbett hinter mir Schuld. Gott sei Dank ging gerade das Ende des Vortrags im infernalischen Beifall der Gäste unter.

Während ich mich mit Gewissensbissen herumplagte, hatte Tamara schon längst die Uniformjacke des Majors aufgeknöpft und war mit ihren Händen darunter verschwunden. Ich musste mich zwingen meine eigenen Hände still zu halten. Da ertönte von unten wieder die Balalaika. Ein, nein mehrere Tamburine gesellten sich dazu. Diesmal war die Musik nicht traurig, sondern wild voller Temperament, dazu erklangen jauchzende Töne von tanzenden Menschen und rhythmisches Klatschen begeisterter Zuschauer. Das war der Moment, wo sich Natascha aus meiner Hand befreite und in die Mitte unseres Zimmers sprang. Erst waren ihre Schritte langsam, dann schneller und schneller, ihr Körper drehte sich im Wirbel der herauf klingenden Musik und ihr weiter bunter Rock drehte sich wie ein Rad zu dieser Melodie. Während die roten Stiefelchen ein Stakkato der Leidenschaft auf den Boden stampfte, blitzten mir ihre bloßen Oberschenkel verheißungsvoll entgegen. Da tanzte auch plötzlich Tamara an Nataschas Seite. Beide versuchten sich in Tempo und Bewegung gegenseitig zu übertreffen und plötzlich flog Tamaras Rock durch den Raum und verhüllte den Major fast gänzlich. Während ich noch schadenfroh zu lachen begann, passierte mir dasselbe mit Nataschas Rock. Ich roch den Duft ihres körpereigenen Schweißes und die süße ihres Parfüms. Von ganz allein begannen meine Füsse den Takt des Tanzes mit zu klopfen. Und die Musik wurde noch schneller. Von unten klangen die Schreie begeisterter Gäste. Ich war nicht neugierig. Der Tanz, den mir Natascha bot, war viel, viel aufregender. Da der weite Rock bereits in meinen Händen lag, bedeckte sie nur noch ihrer engen weißen Bluse und natürlich die roten Stiefelchen. Was vorhin aussah, wie ein kurzer Unterrock, war in Wirklichkeit der untere Teil einer Bluse. Da inzwischen Tamara direkt neben ihr tanzte, konnte ich erkennen, dass beide Mädchen gleich Kleidung trugen, oder besser getragen hatten. Jetzt legten sie ihre Hände auf die Hüften und schwenkten ihre Beine in die Höhe. Die bunten Bänder am Halsausschnitt waren längst gelöst und die Blusen hingen nur noch auf den Schultern. Unten in der Kneipe hörte die Musik schlagartig auf zu spielen und der Lärm der Gäste wurde ohrenbetäubend. Hier oben bei uns war es ruhiger, denn Natascha hatte sich direkt nach dem letzten Musiktakt auf meinen Schoß gesetzt ihre Arme um mich geschlungen und küsste mich, dass mir hören und sehen verging. Ihre Lippen waren aufregend und die Wärme ihres Gesäßes durchdrang meine Uniformhose. Was bisher noch nicht zu sehen gewesen war, fühlte meine Hand. Auf Nataschas Venushügel wuchsen keine Haare. Irgendwie genierte ich mich immer noch. Wir waren nicht allein. Mein Vorgesetzter war im Raum. Ich schielte über Nataschas Schulter zu den beiden anderen Stühlen. Sie waren leer.

Erschrocken löste ich mich von Nataschas Lippen. Doch sie lächelte nur und wies auf das Himmelbett. Dort lag Tamara, nackt wie eine Venus und befreite den Major gerade von seinen letzten Uniformstücken. Sein Glied war kleiner, als das was Natascha gerade befühlte.

„Willst du auch mit mir schlafen?“

Und ob ich das wollte. Aber nicht hier unter den Augen Kettners. Ich wollte Natascha zu gern lieben dürfen, aber eine Schau liefern, so wie Tamara und der Major sie boten, nein, das war mir zuwider. Mein Kamerad reagierte auch prompt. Natascha zog sofort ihre Hand von meiner Hose. Ich dachte sie wäre mir wegen dieser Schwäche böse und wollte mich schon bei ihr entschuldigen, da merkte ich, wie sie ihren Finger auf ihren Mund legte, ihre Sachen zusammen raffte, mich an die Hand nahm und zur Tür zog. Direkt hinter dieser Tür befand sich ein Vorhang, den ich vorhin nicht bemerkt hatte. Den schob sie jetzt zur Seite. Dahinter begann eine ganz schmale Wendeltreppe, die nach oben führte…